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Funktionsdiagnostik/ Funktionstherapie/ CMD

Die Funktionsdiagnostik in der Zahnmedizin beschäftigt sich mit dem Zusammenspiel von Muskulatur, Kiefergelenken und dem Zusammenbiss (Okklusion) sowie den Störungen in diesem Zusammenspiel. Störungen und von diesen Strukturen ausgelöste Schmerzen werden unter dem Begriff Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) zusammengefasst.

Bei unklaren Schmerzen im Kopf- und Gesichtsbereich kann durch eine zahnärztliche Funktionsdiagnostik die Ursache der Schmerzen und Beschwerden eingegrenzt werden. Ferner können funktionstherapeutische Maßnahmen bei umfangreichen Zahnersatzmaßnahmen erforderlich sein.

Eine funktionsdiagnostische Untersuchung soll den Zustand von Muskulatur, Kiefergelenken, umliegenden Strukturen, Okklusion (der Zusammenbiss) und deren Funktion abklären. Dabei steht häufig die Frage im Zentrum, ob eine dieser Strukturen verantwortlich ist für Schmerzen oder Beschwerden.

Neben einem ausführlichen Arzt-Patienten-Gespräch ist der erste Schritt immer eine manualtherapeutische Untersuchung: durch Tasten, Drücken und Bewegen werden Gewebe auf Zustand, Veränderung, Schmerzen und Funktionseinschränkungen untersucht. Die Untersuchungstechniken entstammen der Physiotherapie. Veränderte Strukturen können so ausfindig gemacht und eine gezielte Behandlung eingeleitet werden.

Das Unterscheiden von Schmerzursachen kann zu den größten ärztlichen Herausforderungen gehören. So kann ein Zahn beispielsweise zwar schmerzen, weil sein Nerv entzündet ist. In dem Fall ist die Schmerzursache leicht und klar zuordbar. Doch was, wenn ein Zahn zwar schmerzt, der Zahn selber jedoch gesund ist?

Eine schmerzende Struktur muss nicht zwangsläufig auch die Ursache des Schmerzes sein. Schmerzen können projiziert werden. Obwohl es in einem Bereich schmerzt, befindet sich die Ursache des Schmerzes an ganz anderer Stelle. Die Suche nach der eigentlichen Ursache kann sich wegen der Vielfältigkeit schwierig gestalten. Darüber hinaus kann sich der Schmerz selbst sogar zu einer eigenen Krankheit entwickeln, er chronifiziert.

Mit fundierten Kenntnissen der zahnärztlichen Funktionsdiagnostik können mögliche Ursachen eines Schmerzes im Kopf-, Mund- und Gesichtsbereich abgegrenzt werden.

CMD bedeutet Cranio-mandibuläre Dysfunktion und ist ein Überbegriff für Fehlfunktionen im Bereich der Kiefergelenke, Kaumuskulatur und den umgebenden Strukturen des Kopfes. Die Ursachen und die Symptome  einer CMD können vielfältig sein. Eine CMD kann genauso Schmerzen im Kopfbereich verursachen wie auch Beschwerden (z.B. Schwindel, Ohrgeräusche oder Rückenschmerzen), die ein Patient nicht sofort Muskulatur und Kiefergelenken zuordnen würde.

Die Ursachen einer CMD können in den unterschiedlichsten medizinischen Bereichen liegen: Zahnmedizin, Orthopädie, Physiotherapie, HNO, Neurologie und Psycholgie. Für die Abklärung einer CMD ist ein dafür qualifizierter Zahnarzt ein guter erster Ansprechpartner. Doch nicht jede CMD wird zahnmedizinisch behandelt. Der zahnmedizinische Anteil in der Behandlung einer CMD fällt sehr unterschiedlich aus. Der Zahnarzt kann die möglichen Ursachen jedoch abgrenzen und entsprechende Fachbereiche für eine Behandlung koordinieren.

Eine häufige Ursache ist die schmerzhaft veränderte Muskulatur und daraus resultierende Folgen. Die Behandlung der Muskulatur erfolgt sehr oft physiotherapeutisch und je nach Situation mit einer zahnmedizinischen Schienentherapie.

Gerade bei länger anhaltenden Schmerzzuständen, bei denen der Schmerz auch chronifizieren kann, wird das Krankheitsbild komplexer und der Behandlungsansatz berührt weitere Fachgebiete.

Das sich wiederholenden Pressen oder Knirschen von Zähnen wird als Bruxismus bezeichnet. Dabei unterscheidet man den Schlaf- vom Wachbruxismus. Während Schlafbruxismus nach neueren Ansätzen als schlafverbundene Bewegungsstörung definiert wird, ist der Wachbruxismus eng mit sozialem Stress verbunden.

Bruxismus wird nicht, wie früher angenommen, von den Zähnen und der Verzahnung ausgelöst und ist in dem Sinne auch nicht zahnmedizinisch in der Ursache behandelbar. Da vor allem Zähne, der Zahnhalteapparat und Zahnersatz unter den enormen Kräften des Bruxismsus leiden, betrifft der Bruxismus die Zahnmedizin nach wie vor.

Bruxismus verläuft in den meisten Fällen beschwerdefrei. Nur in wenigen Fällen führt er zu Beschwerden. Um die Zähne vor weiterem Schaden zu bewahren, ist eine Aufbissschiene gerade bei Schlafbruxismus ein weit verbreitetes Hilfsmittel. Zwar kann das Knirschen dadurch nicht vorhersagbar unterbunden werden, dennoch bemerken ca. 50% der Patienten eine Verbesserung. Weitere Ansätze im Umgang mit Bruxismus sind die Selbstbeobachtung zur aktiven Unterbindung der Muskelaktivität (gerade bei Wachbruxismus) sowie Physiotherapie und Übungen.

Der Umfang einer Funktionstherapie kann sehr unterschiedlich sein. Im kleinen Umfang wird nur die Muskulatur behandelt und mittels Physiotherapie, Übungen, Selbstbeobachtung und Schienentherapie die Beschwerdefreiheit wieder hergestellt. Im großen Umfang kann im Anschluss daran die Wiederherstellung des Zusammenbisses durch den Aufbau neuer Kauflächen erforderlich sein.

Der erste Schritt einer Funktionstherapie ist eine gute Diagnostik. Dazu gehört immer die manualtherapeutische Untersuchung von Muskulatur, Kiedern und Kiefergelenken. Wir führen die Manuelle Strukturanalyse nach Prof. Bumann durch.
Ein weiterer Schritt kann die instrumentelle Funktionsanalyse sein. Dabei werden Modelle vom Ober- und Unterkiefer im Gelenksimulator betrachtet. Die Gelenkbahnvermessung oder das Funktions-MRT sind weitere mögliche Schritte, aus der Erfahrung heraus jedoch eher selten erforderlich.

Aus zahnmedizinischer Sicht kann danach eine Schienentherapie angebracht sein. Dabei kann es sich um eine einfache Knirscherschienen handeln, welche die Zahnsubstanz schützt und bei gut 50% der Patienten zu einer muskulären Entspannung führt. Knirscherschienen werden nachts getragen.
Eine weitere Schienenform kann ein reiner Frontzahn-Aufbiss sein (NTI-tss). Diese Schienenform ist nur auf die Schneidezähne begrenzt und sehr klein. Durch sein Wirkungsprinzip soll eine muskuläre Entspannung ausgelöst werden.
Soll die Positionierung von Ober- und Unterkiefer neu ausgerichtet werden, kommt eine Zentrikschiene zum Einsatz. Diese ist so gestaltet, dass sie nach Möglichkeit auch tagsüber getragen wird. Sie kann erforderlich sein, wenn eine Fehlstellung im Kiefergelenk vorliegt oder der Zusammenbiss umfassend rekonstruiert werden muss.

Der Zusammenbiss des Ober- und Unterkiefers- die sogenannte Okklusion- stand lange Zeit im Fokus bei der Entstehung von Funktionsstörungen, nicht Zahn verursachten Schmerzen und Bruxismus. Heute wissen wir mit ziemlicher Sicherheit, dass die Okklusion dabei eine eher untergeordnete Rolle spielt.

Die zahnärztliche Okklusionstherapie ist zur reinen Behandlung einer CMD oder von Bruxismus nicht angebracht. Leider sind solche Behandlungskonzepte immer noch verbreitet.

Die Rolle des funktionsdiagnostisch tätigen Zahnarztes kann sehr unterschiedlich ausfallen.

Bei funktionstherapeutischen Maßnahmen bei Zahnersatzbehandlungen ist der Zahnarzt selbstverständlich der zentrale Arzt. Auch bei der Behandlung von Bruxismus kann der Zahnarzt mit seinen Möglichkeiten eine wesentliche Rolle einnehmen.

Nicht vom Zahn verursachte Schmerzen im Kopf- und Gesichtsbereich sind in der Regel jedoch nicht vom Zahnarzt therapierbar. Der Zahnarzt ist jedoch einer der Ärzte, der Untersuchungen durchführen kann, um Schmerzursachen im Kopf- und Gesichtsbereich zu unterscheiden und einzuschätzen, welche anderen Fachbereiche zur Behandlung herangezogen werden sollten. Daher stellt der Zahnarzt auch in solchen Situationen einen wichtigen Ansprechpartner dar.

Funktionstherapeutische Maßnahmen gehören nicht zum Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenkasse (SGB V, §28, Abs. 2). Sie sind für gesetzlich versicherte Patienten eine privat zu zahlende Leistung
Eine Grauzone sind einfache Knirscherschienen. Streng genommen gehören Sie zur Funktionstherapie. Es ist jedoch von allen Seiten akzeptiert, dass einfache Knirscherschienen über die Krankenkasse abgerechnet werden können. Diagnostische Maßnahmen, wie die manuelle Strukturanalyse, können dagegen nicht über die Krankenkasse abgerechnet werden. Ob sich eine Zahnzusatzversicherung an den Kosten beteiligt, hängt vom jeweiligen Tarif ab.

Private Krankenversicherung übernehmen die Kosten in der Regel im vertraglichen Umfang. In manchen Tarifen werden funktionstherapeutische Maßnahmen wie Zahnersatz behandelt und dementsprechend nicht voll erstattet.

Wir besprechen selbstverständlich vor der Behandlung mit Ihnen Umfang und Alternativen und erstellen gerne einen detaillierten Heil- und Kostenplan. Weitere allgemeine Informationen zu Behandlungskosten finden Sie hier.